Sonntag, 27. September 2015

Bad old days

0:1, 1:2, 0:3. Werder verliert alle drei Spiele der englischen Woche. Die jüngste Heimniederlage gegen Leverkusen dürfte von der Sache her niemanden wirklich verwundert haben. Mit einem Sieg gegen die Pillen war wohl von vornherein nicht zu rechnen. Die Art und Weise, wie Werder in Halbzeit zwei aufgetreten ist, verhagelt mir persönlich jedoch nicht nur das Wochenende, sondern auch die gesamte bisherige Saison. Werder macht 45 gefährliche Schritte zurück.


Es gibt Tage, da will dir überhaupt nichts gelingen. Da kommt kein Pass an und beim Einwurf kugelst du dir noch die Schulter aus. Kann passieren. Gerade in Bremen werden solche Tage besonders dann verziehen, wenn zumindest der Einsatz stimmt. Du bekommst zwar keinen Fuß vor den anderen, zeigst aber, dass du immerhin versuchst, dem Gegner das Leben so schwer wie möglich zu machen. Eine Philosophie, die vom Amateur- bis zum Profisportler jede_r verinnerlicht haben sollte. Werder ging das am Samstag leider vollkommen ab. 

Während die erste Halbzeit eigentlich gar nicht so schlecht war und Werder sogar zu Torchancen kam, war die zweite Hälfte nicht mehr, als ein Offenbarungseid unserer Kicker. Keine Gegenwehr, kein Mut, kein Wille. Da war gar nichts. Werder stellte sich einfach tot und hoffte darauf, dass Leverkusen an sich selbst scheitert. Ich möchte beinahe bedauern, dass das Spiel am Ende nur mit 0:3 verloren ging. Vor den Spielen gegen Hannover und insbesondere den FC Bayern hätte eine richtige Packtung vielleicht sogar gut getan. 

Ich möchte mich gar nicht zu sehr über das Spiel gegen Bayer auslassen. Werder fand einfach nicht statt. Viel schlimmer als das Ergebnis ist die Erkenntnis, dass Werder scheinbar nicht dazu in der Lage ist, im eigenen Stadion einen echten Kampf abzuliefern. Das war gegen Ingolstadt so und wurde gegen Leverkusen in Halbzeit zwei auf die Spitze getrieben.
Der Aufsteiger wurde am Ende als "überraschend" unangenehmer Gegner tituliert, die verlorenen Punkte durch den Sieg in Hoffenheim weggelabert. In Darmstadt würde man es schon richten. Doch auch beim zweiten Aufsteiger hat Werder es nicht geschafft, gegen einen kämpfenden, aber spielerisch limitierten Verein zu bestehen. Am Ende verliert Werder höchst verdient beim SV Darmstadt. Da kann auch das schöne Stadion nicht zur Schmerzlinderung beitragen, wenn die eigene Mannschaft förmlich kapituliert, nur, weil der Gegner "unangenehm" spielt. 
Ich möchte an dieser Stelle an den Start in die letzte Rückrunde erinnern und auf den dazugehörigen Blogeintrag verweisen. Damals waren wir der unangenehme Gegner, den Werder nun so scheut. Wir spielten diesen "dreckigen" Fußball, gingen mit allem was wir hatten in Zweikämpfe und gewannen Spiele. Heute ist Werder von dieser Mentalität so weit entfernt, dass es einem schlecht werden könnte. 

Zum fehlenden Einsatz gesellt sich bei Werder momentan noch ein ganz anderes Gift, welches ich bei kaum einem anderen Verein so offensichtlich erkennen kann: spielerische Einfallslosigkeit. Es ist ermüdend, jede Woche dieselben Schlüsse ziehen zu müssen, doch wir kommen nicht drum herum: Es fehlt ein Spielmacher. Ich flehe hier nicht darum, einen Spieler zu haben, der "den einen Pass" spielen kann. Dieser besondere Spieler fehlt uns seit Özil. Es fehlt bei Werder an einer viel simpleren Stelle. Es fehlt jemand, der das Spiel beruhigt, den Ball halten kann. Es fehlt ein Spieler, bei dem Pässe über drei Meter auch ankommen - und zwar regelmäßig. Es fehlt Kreativität, Kontinuität, Effektivität. Diesen Spieler sehe ich weder in Junuzovic, noch in Fritz oder Bargfrede und schon gar nicht in Felix Kroos. Ohne diesen Spieler werden wir auch weiterhin die ewig langen Bälle aus der Abwehr heraus sehen, die irgendwo im Niemandsland bzw. beim Gegner landen und uns postwendend hinten um die Ohren fliegen. 

Und noch ein Problem tut sich auf: Claudio Pizarro. Natürlich feiern wir den Kerl zurecht ab, müssen aber auch einsehen, dass er mittlerweile ein reiner Strafraumstürmer ist. Nicht falsch verstehen: Immer noch der beste Spieler, den Werder sich hätte holen können. Es fehlt Pizarro bloß der Mitspieler, der ihn da vorne füttert. Pizza holt sich die Bälle eben nicht mehr aus dem Mittelfeld, marschiert durch die gegnerische Abwehr und knallt das Ding rein. Die Zeiten sind wohl vorbei. Vielmehr braucht er Pässe in den Strafraum, die er dann mit all seinem Spielwitz einschieben kann. Problem: Es fehlt genau dieser Mitspieler. 
Gegen Leverkusen kam es mir zudem so vor, als wären wir mit Pizza ein Spieler weniger in der Rückwärtsbewegung. Bei all der Bewunderung für diesen außerordentlichen Fußballer muss man eben auch sehen, dass er nicht mehr der jüngste und schnellste Spieler auf dem Platz ist. 

Heute hielt Werder eine Krisensitzung ab, Samstag geht es gegen Hannover. Ich möchte es nicht beschreien, doch 96 sucht derzeit händeringend nach einem Aufbaugegner. Sollte Werder so desolat auftreten wie in den vergangenen drei Spielen, können wir die Punkte einfach direkt an Martin Kind abgeben und uns die Fahrt nach Niedersachen sparen.
Sollte das Team jedoch in die Verlegenheit kommen und die fällige Reaktion auf die drei vollkommen verhunzten Ligaspiele abliefern, könnte es etwas werden, mit einem Sieg in Hannover. Warten wir es einfach ab.

Bis dahin,

nur der SVW. 

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